Die ASCIM stellt ein neues Buch mit dem Titel „Interkulturelle Begegnung: Anregungen zu einem harmonischen Miteinander im Chaco von Paraguay“ vor. Das Buch ist in Farbdruck gehalten, wurde von GRAFIL gestaltet und umfasst 334 Seiten. Autor ist Herr Wilmar Stahl, der es im Auftrag der ASCIM erarbeitete. Das allgemeine Ziel ist es, die interkulturelle Verständigung im Chaco zu fördern - oder, so wie es im Untertitel sagt, Anregungen zu einem harmonischen Miteinander zu gegeben.
Es richtet sich an deutschsprachige Leser im Allgemeinen, an Chaco-Deutsche im Besonderen – es befasst sich größtenteils mit der Vielvölkerregion Chaco, denn als solche ist der paraguayische Chaco bekannt. Das bedeutet, dass wir es hier mit einem plurikulturellen und multiethnischen Lebensraum zu tun haben. Eine gemeinsam handelnde soziale Gruppierung bekennt sich zu einem gemeinsamen, bekannten Ursprung, hat eine gemeinsame kulturelle Tradition und betont eine bestimmte soziale Abgrenzung anderen Gruppen gegenüber. Diese Betonung bestimmt auch weitgehend das Verhältnis zu anderen sozialen Gruppen. Man rückt sich leicht selbst ins Zentrum der Welt, stuft seine Kultur höher ein als die der anderen, gebraucht seine eigenen Werte, um das Verhalten anderer Volksgruppen zu bewerten, und will nachweisen, wie weit diese von „Normalen“ abweichen. Alles hat mit der Weltanschauung zu tun, wie eine Gruppe über die sie umgebende Welt denkt.
Um die Verständigung zwischen den Kulturen, also zwischen den verschieden-denkenden Gruppen zu fördern, müssen zuvor Kenntnisse und Erkenntnisse in Bezug auf das Umfeld angeworben werden, in dem sich das Miteinander gestaltet wird. Deshalb legt das Buch viel Gewicht auf Schilderungen der Einmaligkeit der verschiedenen Volksgruppen und ihrer Weltanschauungen. Es werden zwar keine fertigen Rezepte zum Umgang mit anderen Volksgruppen gegeben, aber es kommen Werkzeuge zum Einsatz, um die Kultur als menschliche Daseinsgestaltung zu studieren. Dabei müssen wir Kultur als ein zusammenhängendes System von gelernten Strategien verstehen, die ein Volk gemeinsam braucht, um sein Dasein zu gestalten.
Das Buch ist aber keineswegs fachwissenschaftlich gehalten. Es bringt viele Beispiele aus dem Chaco-Umfeld. Indigene Berichterstatter kommen zu Wort und an die 300 Fotos sollen die Texte auflockern. Aber natürlich gibt es einen theoretischen Rahmen: Das Buch hat 7 Hauptteile, darunter 21 Kapitel, die jeweils separate Themen behandeln.
Im ersten Teil wird kurz erklärt, was Kultur ist, und was sie für den Menschen tut. Im zweiten Teil folgt eine kurze Vorstellung der verschiedenen Einwandergruppen, die in den letzten 2.000 Jahren den Chaco zu ihrer Heimat gemacht haben. Das wird so viel wie möglich aus der Perspektive jeder Ehnie oder Volksgruppe gemacht. Dabei darf es den Leser dann nicht verwundern, dass auch Deutsch-Mennoniten und Latein-Paraguayer als „ethnische Gruppen“ verstanden und als solche hineingenommen werden.
Im dritten Teil werden die Weltanschauungen der verschiedenen Ethnien erklärt und verglichen. Da sich die intensivsten interkulturellen Begegnungen in der Vergangenheit durch die Missionsarbeit und im wirtschaftlichen Miteinander vollzogen haben, werden diese Prozesse und ihre Resultate in den Teilen 4, 5 und 6 analysiert.
Zuletzt kommt dann besonders die interkulturelle Dynamik im Chaco zur Sprache und damit dann auch zu praktischen „Anregungen für ein harmonisches Miteinander“. Es werden interethnische Begegnungen im Chaco und der Umgang mit interethnischen Konflikten analysiert. Es wird über öffentliche Stellungnahmen der verschiedenen Chaco-Gruppen berichtet und über praktische Überlegungen zu Gegenwart und Zukunft des Miteinanders diskutiert. Denkmuster, die unsere interkulturellen Beziehung prägen, werden extra herausgeschält, und festgestellt, welcher Wandel schon stattgefunden hat und welche Tendenzen für die Zukunft bestehen. Darauf folgt ganz zuletzt ein Versuch, anzuregen wie das Umdenken mit Hilfe der Bibel aussehen könnte.
Das Buch kann auf viele Arten gebraucht werden: als Privatlektüre in erster Linie natürlich, als Lehrbuch für das Fach „kulturelle Anthropologie“ in den Schulen, für Gruppenarbeiten verschiedener Art und auch für Seminare und Arbeitsgemeinschaften von Fachleuten, Lehrern, Missionsarbeiter, Arbeitgeber – also für alle, die Beziehungen zu den Mitgliedern anderer Volksgruppen aufbauen möchten, und so den Chaco langfristig für uns alle zur Heimat werden lassen.
Das Buch ist ab sofort in allen Kolonie-Bibliotheken und im Büro der ASCIM erhältlich.
In einem Interview erklärt der Autor kurz den Inhalt des Buches.
Das Inhaltsverzeichnis:


